Nach jetzt schon zwei Monaten in meiner Einsatzstelle bekomme ich regelmäßig neue Aufgaben, die gleichzeitig natürlich auch immer wieder neue aber vor allem andere Herausforderungen bedeuten, worüber ich ehrlich gesagt sehr glücklich bin.
Seit der letzten Woche bin ich nämlich regelmäßig im Gymnasium Brčko und unterstütze dort die Deutsch-Klassen oder habe Workshops mit den Schülerinnen und Schülern zusammen.
Letzte Woche durfte ich in der Schule zwei Workshops (auf Deutsch!) halten.
Den einen zum Internationalen Tag gegen Faschismus und Antisemitismus, der am 09.11. jedes Jahr stattfindet, und vor allem in Deutschland als Erinnerungs- und Gedenktag gilt.


Dieses Datum ist sehr bewusst gewählt, da in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 die Reichspogromnacht stattgefunden hat. Dieses Ereignis hat in der Geschichte den Übergang von der Diskriminierung der Jüdinnen und Juden zur öffentlichen Verfolgung und Vernichtung gekennzeichnet. Genau deshalb hat dieser Tag (09.11.) als Warn- und Gedenktag vor allem in Deutschland eine enorme Bedeutung.
Das durfte ich mit der 4. Klasse, der Abschlussklasse des Gymnasiums (in Deutschland: 13.Klasse) anhand eines Workshops erarbeiten. Die Schülerinnen und Schüler haben im Anschluss Demonstrationsplakate entworfen, die ihre klare Haltung gegen jede Form des Faschismus verdeutlichen sollten.

Bei der Klasse handelt es sich um einen Kurs, der am DSD-Programm teilnimmt. DSD steht für Deutsches Sprachdiplom und ist das einzige schulische Programm der Bundesrepublik Deutschland für Deutsch als Fremdsprache im Ausland. Mit diesem Programm werden hier Schülerinnen und Schüler gefördert, in diesem Fall bereitet es sie auf eine B2/C1 Prüfung vor, die hier in den nächsten Wochen stattfindet.
Mit dieser Klasse habe ich auch diese Woche weiter zusammengearbeitet und unterstütze sie in ihrer Vorbereitung auf die Prüfung. Hierbei haben wir uns vor allem auf den kommunikativen Teil konzentriert, der ähnlich zu unserer Kommunikationsprüfung in den Fremdsprachen ablaufen wird. Die Klasse muss sich auf Themen wie Fremdsprachen, Organspende, Arbeitsbedingungen, Zukunft, Cyber-Mobbing, … vorbereiten. Die Themen sind größtenteils sehr alltägliche Themen, wobei es auch sehr spezifische und komplexe Themen gibt.

Meinen anderen Workshop letzte Woche hatte ich zum Thema FSJ, da ich ja sehr gut von meinen Erfahrungen (auch hier) berichten konnte. Generell habe ich den Schülerinnen und Schülern der 2. Klasse (in Deutschland: 11. Klasse) erklärt, was wir in Deutschland für Möglichkeiten nach dem Abitur haben und wie viele inzwischen den Weg eines FSJ gehen oder generell das GAP-Year machen. Anschließend haben wir über ihre Pläne nach dem Abschluss gesprochen und das war tatsächlich sehr einheitlich: studieren, dann arbeiten.
Ich finde es sehr interessant, wie Schülerinnen und Schüler hier zwar die Möglichkeit des FSJ kennen und auch die Möglichkeit hier oder im Ausland haben, dennoch so gut wie nie beanspruchen. Ich habe die Klasse gefragt, warum sie sich ein FSJ, oder auch ein Praktikum beispielsweise nicht vorstellen können und ich habe meistens als Antwort bekommen, dass es einfach zu viel Zeit braucht.

Das ist echt spannend, vor allem wenn ich das zu Deutschland oder auch anderen europäischen Ländern vergleiche. Denn dort ist das ja inzwischen fast normal, nach der Schule erstmal ein Jahr „Pause“ zu machen oder auch sich die Zeit zu nehmen, um zu überlegen, was wir studieren wollen. Hier ist es aber tatsächlich einfach so, dass die Schülerinnen und Schüler nach der Schule lieber irgendwas studieren, um dann zu arbeiten, einfach um Geld zu verdienen. Wenn sie das Ganze etwas internationaler haben wollen oder auch wo anders hinziehen wollen, gehen sie zum Studieren nach Wien oder Deutschland.
Insgesamt hatte ich aber sehr viel Spaß mit der Zusammenarbeit mit dem Gymnasium und ich finde es immer noch beeindruckend, wie gut die Schülerinnen und Schüler Deutsch hier in der Schule lernen.
Ich finde diese neue Aufgabe aber auch für mich persönlich schön und bin auch sehr dankbar, dass ich jetzt nach und nach weitere Aufgaben bekomme und es einfach mehr Abwechslung gibt, und ich auch mit verschiedenen Altersgruppen zusammenarbeiten kann.
Mir macht auch der Austausch mit den gleichaltrigen sehr viel Spaß, auch wenn sie mir ein bisschen leidtun, da wir uns dann immer auf Deutsch unterhalten sollen und es für sie natürlich trotzdem deutlich schwerer ist als auf Englisch oder B/H/S 🙂
